Ausbildung / Übung
Auch „Daisy“ konnte Weseler Helfer nicht stoppen
Wesel am Rhein. „Der Deutsche Wetterdienst hat wegen der zu erwartenden starken Schneefälle und schweren Sturmböen durch das Tief „Daisy“, Unwetterwarnungen ausgerufen und auch der THW-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat die Bereitschaftstufe 1 für die Ortsverbände ausgelöst“.
Das waren die Neuigkeiten, welche die Helfer des THW-Ortsverbands Wesel während des Briefing vor dem Hauptdienst von ihren Führungskräften erhielten.
Aber auch diese zu erwartenden trüben Aussichten hielt die Helfer nicht davon ab, ihren Dienst wie gewohnt auszuführen.
Während die Helfer der Fachgruppe Wassergefahren mittels Fahrbahnplatten des Brückenoberbaugerätes, eine neue Art von Überquerung des Löschteiches vornahmen, waren die beiden Bergungsgruppen in den Häuser des Übungsgeländes aktiv. Das von der Küche wieder einmal hervorragend zubereiteten Mittagessen unterbrach die Ausbildung und die Helfer ließen sich das Essen und die warmen Getränke schmecken.
Unbemerkt von den Helfern waren der Ortbeauftragter, der Ausbildungsbeauftragte und zwei Helfer mit dem Kipper der ÖGA sowie einem PKW vom Gelände gefahren und hatten sich in einen nahe gelegen Wald begeben. Von dort alarmierten sie den Zug zu einer Einsatzübung.
Während der Zugtrupp zu einer Erkundung aufbrach, rüsteten die Helfer die Fahrzeuge auf und warteten auf die Rückmeldung des Zugtrupps. Diese ließ nicht lange auf sich warten und die Helfer rückten mit GKW I samt Lichtmastanhänger, sowie GKW II mit dem Planen-Anhänger aus, auf dem sich das vom Zugtrupp angeforderte Einsatz-Gerüst-System befand.
An der vom Zugtrupp zwischenzeitlich abgesicherten „Einsatzstelle“ angekommen, wurden sie vom Zugführer in die Lage eingewiesen und ihren Einsatzabschnitten zugeteilt.
Parallel neben der durch den Wald führenden Straße stand der PKW. Erst auf den zweiten Blick konnten die Helfer den Kipper erkennen, welcher in 200 Meter Entfernung schräg neben der Straße im Wald stand. Der Sanitäter der ersteintreffenden 1. Bergungsgruppe verschaffte sich einen groben Überblick über die Verletzten im PKW. Nachdem abzusehen war, dass es sich nur um leichte Verletzungen handelte, übergab er diese Verletzten zur Betreuung an seine Kameraden und begab sich zum Kipper. Eine Erkundung dort ergab, dass der Fahrer eingeklemmt aber ansprechbar war, während der Beifahrer eine Fraktur des linken Arms aufwies und bewusstlos war. Während der Sanitäter den gebrochenen Arm mittels Luftkammerschiene ruhig stellte, kam der Beifahrer wieder zu sich. Beim Abtasten der Insassen stellte sich heraus, das beide unterhalb der Hüfte kein Gefühl mehr verspürten, was auf eine evtl. Wirbelsäuleverletzung hinwies. Nach Rücksprache mit dem Gruppenführer der für den „Einsatzabschnitt Kipper“ zuständigen 2. Bergungsgruppe wurde die schonende Patientenrettung mittels Einsatz-Gerüst-System/EGS angeordnet, da der Aufgrund der inzwischen realen, starken Schneeverwehungen anderweitig eingebundenen Rettungsdienst, nicht zeitnahe zur Verfügung stand, die Verletzten aber dringend aus ihrer Lage befreit werden mussten.
Nachdem auf der Beifahrerseite das EGS aufgebaut worden war, wurde der inzwischen wieder bewusstlose Beifahrer vorsichtig mittels Bergeschleppe aus dem Führerhaus befreit und noch auf dem EGS verletzungsbedingt auf eine Trage umgelagert. Auf die gleiche Art wurde danach auch der Fahrer, welcher die ganze Zeit von einem Helfer betreut worden war, über die Beifahrerseite gerettet und zu den anderen drei Verletzten in den zwischenzeitlich zur Patientenablage umfunktionierten Planen-Anhänger verbracht.
Während der über eine Stunde andauernden und in dichtem Schneegestöber durchgeführten Rettungsaktion der 2. Bergungsgruppe, suchten die Helfer der 1. Bergungsgruppe den Wald in der näheren Umgebung nach evtl. weiteren am Unfall beteiligten Personen ab.
Nachdem feststand, dass alle Beteiligten gefunden und versorgt worden waren, wurde der Kipper durch den GKW II aus dem Graben gezogen. Aufgrund der sich inzwischen auf der Straße angesammelten, dicken Schneeschicht mussten dafür erst noch Schneeketten aufgezogen werden.
Nach einer wohlverdienten, heißen Tasse Kaffee ging es dann zurück in die Unterkunft, wo der Dienst nach der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft und einem kurzen Debriefing endete und die Helfer ins wohlverdiente Wochenende gehen konnten.
09.01.2010
Von: Burkhard Zingraf, OV Wesel